NPU TV, Golem MC and Iran Man: A thoughtful look back into the FlexBarker archive

Wenn ich heute durch meine alten Festplatten gehe, fühlt sich das manchmal an
wie eine Ausgrabung in einem anderen Leben. Da liegen Ordner herum, die seit
über fünfzehn Jahren niemand mehr angefasst hat. Videodateien in winzigen
Pixelauflösungen, die auf heutigen großen Bildschirmen fast verloren wirken. And
mittendrin dieser eine Clip von NPU TV, den wir damals ins Netz gestellt haben.
Ich habe mir das Teil neulich noch einmal angeschaut – und hängen geblieben bin
ich gar nicht so sehr bei den einzelnen Sprüchen, sondern bei den Gesichtern und
dem Gefühl von damals.

Wenn man jünger ist, denkt man nicht über Zeit nach. Man setzt sich zusammen,
macht die Kamera an und quatscht einfach drauf los. Wir hatten keinen großen
Plan, kein Skript und schon gar keine Vorstellung davon, dass irgendjemand diese
Videos zwei Jahrzehnte später noch sehen würde. Es gab damals kein Social Media
im heutigen Sinne, keine durchoptimierten Profile und keine Algorithmen, die dir
vorschreiben, wie ein Clip geschnitten sein muss. Es gab nur uns, ein paar
billige Mikrofone und die einfache Freude daran, Quatsch zu machen und das mit
anderen zu teilen.

Der Clip fängt mit diesem legendären Warnschild an, das irgendwer von uns damals
in MS Paint zusammengeklickt hat. Rote Ränder, blaues Ausrufezeichen und dann
dieser Text über die Meinungsbildung zur Hodengröße im Sommer und Winter. Wenn
ich das heute sehe, muss ich schmunzeln, aber gleichzeitig wird mir klar, wie
unbeschwert wir damals waren. Wir haben uns schlichtweg keine Gedanken darüber
gemacht, was man sagen darf, wie das nach außen wirkt oder ob es irgendwo
aneckt. Es war eine reine Parodie auf all die ernsten Warnhinweise aus dem
Fernsehen, ohne jeden Hintergedanken.

Und dann schaltet das Bild um – mitten rein in Arians Zimmer. Das
Jimi-Hendrix-Poster an der Wand, die schummrige Lampe in der Ecke, das vertraute
Halbdunkel in seiner Bude. Es war Arians Raum, in dem wir abhingen, die Cam
laufen ließen und einfach eine gute Zeit hatten. Am Anfang ist es Golem MC, der
die Szene erst mal kommentiert und die Runde in Schwung bringt. Doch kurz darauf
übernimmt Arian aka Iran Man komplett das Wort und zieht seinen Monolog durch –
mitten in seinen eigenen vier Wänden. Genau dieser Umschwung, wenn Iran Man da
auf der Couch loslegt und sich richtig in Fahrt redet, macht die eigene Dynamik
dieses Clips aus.

Arian redet sich da in seinem Zimmer ohne Punkt und Komma in eine Mischung aus
jugendlichem Leichtsinn und absolut schräger Alltagsphilosophie. Er erzählt von
den Dingen, die einen eben so beschäftigen, wenn der Abend länger wird. Es wird
die Theorie aufgestellt, warum der Sack im Sommer tiefer hängt als im Winter.
Von da aus driftet sein Monolog nahtlos ab in Richtung Sanitärtechnik – ob es
automatische Häcksler in Toiletten gibt und wie man sich vor spritzendem Wasser
schützt.

Der berühmte Klopapier-Trick – vor dem Geschäft zwei, drei Blatt Papier in die
Schüssel legen, damit nichts hochspritzt – ist im Grunde nichts anderes als eine
kleine Erkenntnis aus dem echten Alltag, die Iran Man da mit absoluter
Überzeugung vorträgt. Heute nennt man so was einen durchoptimierten „Lifehack“
und macht daraus ein durchgestyltes Video für soziale Netzwerke. Für Golem,
Arian und mich war es damals einfach ein witziger Monolog in Arians Zimmer, den
man unter Kumpels geteilt hat.

Je länger ich mir diese alten Aufnahmen ansehe, desto nachdenklicher werde ich.
Es ist seltsam zu sehen, wie wir damals bei Arian in der Bude saßen. Golem MC,
der am Anfang kommentiert, und Arian aka Iran Man, der danach einfach seinen
Monolog hält – zwei Jungs, die Bock hatten, Scheiße zu bauen und ein Video zu
machen, ohne an Karrieren, Klicks oder Personal Branding zu denken. Das Internet
hat sich seitdem komplett verändert. Heute ist fast alles durchgeplant,
kommerzialisiert und geglättet. Jeder Auftritt folgt einer Strategie, jede
Minute Video soll Aufmerksamkeit generieren oder Produkte verkaufen. Die
Spontaneität von früher ist an vielen Stellen verloren gegangen. Man traut sich
kaum noch, einfach nur unperfekt zu sein.

Ganz ehrlich: Genau deshalb gibt es FlexBarker.org. Nicht weil ich der
Vergangenheit hinterhertrauere oder behaupten will, dass früher alles besser
war. Aber wir dürfen nicht vergessen, wo die echten Funken herkommen. Art,
Musik und Geschichten entstehen nicht durch Formeln oder Klickzahlen, sondern
durch echte menschliche Begegnungen. Durch Leute wie Golem MC und Iran Man, die
zusammen in Arians Zimmer sitzen und unzensiert drauf losreden.

Der NPU-TV-Clip erinnert mich daran, warum ich überhaupt angefangen habe, Dinge
zu erschaffen. Es ging nie um Perfektion, sondern um den Moment und um das
gemeinsame Lachen. Und wenn wir auf FlexBarker.org heute Musik machen, Texte
schreiben oder alte Fundstücke teilen, dann genau mit dieser Haltung: ehrlich,
manchmal etwas kantig, aber immer echt.